Dienstag, 19. Mai 2015

laktosefreier Käse

Käse gehört zu den beliebtesten Lebensmitteln in Deutschland. 2014 hat der "Durchschnitts-Bundesbürger" 24,6 kg Käse verzehrt. Um so härter trifft es dann diejenigen, die die Diagnose Laktoseintoleranz erhalten, da erst einmal die Verunsicherung sehr groß ist. In der Gruppe "Laktosefrei" gibt es immer wieder Fragen oder Kommentare dazu. Das geht dann z.B. in etwa in diese Richtung: "Darf ich nur noch den Käse von MinusL essen?", "Aber da steht nicht "laktosefrei" auf der Packung von dem Käse, dann darf ich den doch gar nicht essen!"

Hier wollen wir nun mit diesem Blogeintrag etwas Licht ins Dunkel bringen. Wichtige Vorbemerkung: Wir beziehen uns hier auf Schnittkäse und "echten" Käse aus Milch, keine Frischkäsesorten, Schmelzkäse o.ä. Auch möchten wir die allgemeine Diskussion um Milchprodukte einmal beiseite lassen.
 
Also, eigentlich ist es ganz einfach: Ganz viele Käsesorten sind bereits von Natur aus laktosefrei bzw. laktosearm. Das bedeutet, dass der Milchzucker (=Laktose) bereits durch den Gärungsprozess durch Bakterien gespalten bzw. abgebaut wurde. Hier gilt: Je länger ein Käse gereift ist, desto höher die Chance, dass er laktosefrei ist. Ab 6 Monaten Reifung ist die Chance bereits sehr hoch. Und was glaubt Ihr: Wie viele Käsesorten im Handel sind jünger als 6 Monate...? Richtig: Gar nicht sooo viele :-) Und vielleicht betrachtet Ihr in Zukunft Löcher im Käse mit mehr Freude. Warum? Weil diese Löcher dadurch entstehen, dass Milchsäurebakterien aus der Laktose u.a. Ethanol und Kohlendioxid entstehen lassen. Wenn diese Gase dann durch die Rindenbildung des Käses nicht mehr entweichen können, entstehen diese "Löcher", die ja eigentlich eher Blasen oder Höhlen sind.

 
Zurück zu den 6 Monaten: Auf den Packungen steht selten so etwas wie "7 Monate alter Gouda" oder "8 Monate alter Camembert", daher muss man sich anders helfen. Wenn Ihr nächstes Mal am Käseregal steht, dreht die Käsepackungen einmal um und schaut Euch die Zutaten und dort insbesondere die Nährwertangaben an:
 

Hier zwei Beispiele :
laktosefreier Käse - Beispiel 1laktosefreier Käse - Beispiel 2


Laktose ist, wie oben bereits geschrieben, Milchzucker und dieser befindet sich in den Angaben von Kohlenhydraten und dort dann insbesondere unter "davon Zucker". Die Werte beziehen sich immer auf 100g, also 1g von 100g oder 0,5g von 100g etc. Lautet der Wert 0,0g, dann ist der Käse komplett laktosefrei. Liegt der Wert bei 0,1g (oder niedriger), darf der Käse ebenfalls als "laktosefrei" deklariert werden, da diese geringe Menge bei "moderatem Genuss" keine Beschwerden bereitet. "Laktosearm" gelten Käsesorten (und Lebensmittel) zwischen 0,1g und 1g Laktose pro 100g. In der Regel sind die Werte von Kohlenhydraten und "davon Zucker" identisch. 


Sofern der Kohlehydrate-Wert jedoch höher ist, dann ist z.B. noch Stärke hinzugefügt. Hier ein Beispiel (Raspelkäse mit hinzugefügter Kartoffelstärke, relevant für die LI ist aber, wie erwähnt, nur der Zuckerwert):


In der Regel unbedenklich sind folgende Käsesorten:

 (bitte dennoch auf die Nährwerte schauen!)
  • allgemein jeder Hart-, Schafs-, Ziegenkäse, welcher länger als 6 Monate gereift ist
  • Brie und Camembert
  • Cheddarkäse (bei 50% Fett i.T.)
  • Edamer
  • Edelpilzkäse, Bavaria Blu etc.
  • Emmentaler
  • Gouda -> i.d.R. ab "mittelalt"
  • Greyerzer
  • Limburger 
  • Alle Käsesorten von Milram (Ausnahme Mozzarella)
  • Parmesan
  • Raclette-Käse
  • Tilsiter
Umfangreiche Listen mit laktosefreien Käsesorten gibt es hier:
Nun noch ein paar kurze Worte zu Frischkäse, Schmelzkäse etc.: Da hier zum einen der Gärungsprozeß gar nicht oder nur wenig fortgeschritten ist und zum anderen oft diverse Zutaten beigemengt werden, muss hier immer besonders auf die Zutaten und die Nährwerte geachtet werden! Sehr oft ist dann bei "laktosefreien" Produkten z.B. Laktase beigemengt, die den Milchzucker im Produkt spaltet. Hier als Beispiel einmal die Zusammensetzung des Schmelzkäses von "MinusL":
 


Und - wie oben auch kurz angerissen- es gibt auch komplett milchfreie Käsesorten, für diejenigen, die komplett auf Milchprodukte, nicht aber auf Käse verzichten möchten. Hier hilft dann als Einstieg diese Google-Suche: https://www.google.de/search?q=veganer+k%C3%A4se
 

Herzliche Grüße, Eure Admins Schirin, Janina, Kerstin und Björn

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 Weitere Blogartikel:

# Die Dosierung von Laktase - Tabletten #
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# Laktosefreier Käse #
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# Pflanzliche Produkte als Ersatz und die Karenzzeit #
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Donnerstag, 7. Mai 2015

Die Dosierung von Laktase - Tabletten


Bei der Laktoseintoleranz handelt es sich um eine Unverträglichkeit, die dadurch hervorgerufen wird, dass dem Körper das Enzym Laktase fehlt. Diese Laktase spaltet die Laktose (=Milchzucker) im Verdauungstrakt in die beiden Zuckerarten Traubenzucker (Glukose) und Schleimzucker (Galaktose), so dass es keine Verdauungsprobleme gibt. Laktase kann man sich sehr komfortabel in Tablettenform zuführen. Dadurch wird dann *THEORETISCH* der Zustand hergestellt, wie als wäre "alles in Ordnung".

Nun wird immer wieder wird die Frage gestellt, wie man Laktase- Tabletten richtig dosiert, um mit Laktose keine Probleme zu bekommen. Dazu gibt es zwei einfache Dinge zu beachten bzw. zu berechnen:

1.: Es gibt die Laktasetabletten in unterschiedlichen Konzentrationen, die in "FCC" (FCC steht für Food Chemical Codex) angeboten werden. Hier ein Beispiel aus einer Hamburger Drogerie:
=>  Je höher der FCC-Wert ist, desto mehr Laktose kann verarbeitet / gespalten werden.

2.: Um zu wissen, wie viel Laktase man sich zuführen muss, muss man wiederum wissen, wie viel Laktose im Essen vorhanden ist. Die Menge Laktose im Essen bewegt sich in der Regel im "Gramm-Bereich" (pro 100g) also z.B. 5g/100g. Als "laktosefrei" gelten übrigens Lebensmittel, deren Laktosegehalt niedriger als 0,1g/100g liegt. Zwei Beispiele: 100g bzw. ml Vollmilch beinhalten in etwa 4,8g Laktose, Eiscreme ca. 6g. Zwei kleine Listen mit weiteren Werten findet Ihr hier:

Nun zur Berechnung: Eine weit verbreitete "Faustformel" lautet, dass man 1000 FCC benötigt, um 5g Laktose zu spalten. Wie kann man sich das merken? Ganz einfach:
A) Streiche zwei Nullen der FCC-Einheiten
B) Teile diesen Wert durch 2

Ein Beispiel: Im Bild seht Ihr Taxofit mit 12.000 FCC.
=> Zwei Nullen weg: 120
=> geteilt durch 2: 60
=> Bedeutet: THEORETISCH könntet Ihr 1,2 Liter Milch mit insgesamt 60g Laktose (!) trinken und (nur) eine Laktase - Tablette mit 12.000 FCC dazu nehmen, ohne Probleme zu bekommen.

Dieses ist allerdings wie erwähnt eher Theorie und gilt unter "Idealbedingungen". In "laktosefreier" Milch, z.B. der Firma "MinusL" wird Laktase untergemischt und gleichmäßig verteilt. Hier ist die Formel sehr gut anwendbar.

Es gibt viele Erkenntnisse und auch Erfahrungsberichte, dass diese Faustformel in der Praxis - also beim Essen - nicht immer hinhaut und man besser die doppelte oder ggfs. dreifache Menge an Laktase nehmen sollte. Dieses muss jeder für sich selbst überprüfen und ist auch abhängig vom Lebensmittel. Ist es z.B. flüssig und kann sich die Laktase daher gut verteilen oder ist es eher fest?

Zum besseren Verständnis einmal ein Beispiel: Stelle Dir einmal einen Brotteig vor. Dieser Brotteig ist (symbolisch) der Speisebrei in Deinem Magen-Darmtrakt. Jetzt steckst Du eine Laktase-Tablette in den Brotteig und knetest ihn ein wenig durch.... Die Tablette wirkt nicht überall, weil sie nicht überall hinkommt. Selbst wenn man die Tablette "zerbröseln" oder gar in Pulverform in den Brotteig einkneten würde, blieben immer noch Bereiche unerreicht, andere aber "überdosiert". Die Laktasetabletten lösen sich grundsätzlich ganz gut auf aber die Durchmischung mit dem Speisebrei ist halt nicht zu 100% planbar. Auch geht die Tablette (auch in aufgelöster Form) natürlich den gleichen "Weg" wie der Speisebrei durch den Körper. Irgendwann ist sie "durch" aber es kommt noch Laktose nach...

Daher gibt es drei Dinge bei der Einnahme zu beachten:
1.: Nimmt man die Laktasetablette kurz (!) vor dem Essen von laktosehaltigen Lebensmitteln, spätestens aber gleichzeitig, wirkt sie deutlich besser als im Nachgang oder wenn sie zu früh genommen wird.
2.: Es hilft sehr, die Laktasetablette zu zerbeissen/zerkauen und mit etwas Wasser zu trinken. So unterstützt man die Durchmischung der Laktase mit dem Speisebrei.
3.: Eine Überdosierung von Laktase kann nahezu identische Nebenwirkungen wie die Laktoseintoleranz haben, auch wenn viele Berichte - insbesondere von den Herstellern - anderes aussagen! Nimmt man also z.B. 3 Tabletten à 12.000 FCC und isst dann (nur) eine Kugel Eis, könnte es sehr gut sein, dass die Bauchschmerzen danach von der Laktase und nicht von der Laktose kommen! Oft hört oder liest man aber "die Laktase Tabletten helfen bei mir nicht". => Das kann an einer Überdosierung gelegen haben. Das muss jeder für sich selbst beobachten und bewerten.

Ebenfalls eine Erwähnung wert sind die mittlerweile erhältlichen "Langzeit-Tabletten", die es z.B. von sanotact oder Tetesept gibt. Diese ermöglichen zwar einen etwas längeren Zeitraum, über den Laktose gegessen werden kann, sind jedoch in der auf den Packungen angedruckten Formulierung ihrer Wirkungsdauer etwas irreführend. Bitte hier unbedingt genau die Packungsbeilage lesen, da sich die angegebenen 4 Stunden Wirkzeit NICHT auf die Zeit beziehen, in der man aktiv essen kann.
http://www.sanotact-vital.de/produkte/alle-produkte-a-z/laktase-20000-fcc-depot-tabletten.htmlhttp://www.tetesept.de/produkte/gesundheit/magen-verdauung/magen-darm/langzeit-laktase-16-000-12429.htm

Noch eine wichtige Nachbemerkung: Achtet auf das Verfallsdatum Eurer Laktasetabletten. Abgelaufene Tabletten verlieren ihre Wirkung!

Viele Grüße, Eure Admins Schirin, Janina, Tina und Björn

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# Die Dosierung von Laktase - Tabletten #
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# Böse Zutaten oder: Wo versteckt sich Laktose? #
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